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Jürgen W. Gangl

Interview mit dem Hoteldirektor des Grand Hotel Esplanade

Jürgen W. Gangl

Wie steht das Grand Hotel Esplanade zu Hotelbewertungsportalen?

Wir haben einen hohen positiven Bewertungsfaktor und liegen da ausgezeichnet im absolut mittlerem Feld und sind dieses Jahr auch durch Tripadvisor als das Excellence Top Hospitality Hotel Berlins ausgezeichnet worden. Wir nutzen die Bewertungen im positiven wie im negativen Sinne. Am Ende des Tages müssen wir nur aufpassen, dass wir nicht zum Sklaven der Hotelbewertungsportale werden und nur noch abhängig von den Hotelbewertungen sind.

Was ich gerade ganz interessant fand, nur nochmal für mich zum nachvollziehen, es geht vorrangig um Berliner Hotels?!

Wir haben ja hier in Berlin unseren eigenen Wettbewerbssektor. Dieser bezieht sich natürlich hauptsächlich auf Westberlin, denn dort sind unsere Konkurrenzhäuser oder Wettbewerbshäuser, die auf dem selben Markt fischen wie wir, die selben Kunden ansprechen, das gleiche Segment ansprechen, sprich: im Konferenzbereich, im Leisurebereich etc. und die wollen alle den Kunden haben, den wir auch haben. Das heißt also, sie positionieren sich in allen Buchungskanälen, so wie wir auch. Wir liegen ungefähr im gleichen Preisrange, wir liegen natürlich auch alle in der gleichen Qualitätsriege. Allerdings haben wir keine Marke wie Hilton, Steigenberger etc. auf dem Dach und sind ein non-private Unternehmen. Wir sind das Grand Hotel Esplanade, singulär – für sich ganz allein und wir können uns nur dadurch auszeichnen, dass wir einfach besser sind als andere. Einerseits in den Onlinekanälen, andererseits bei den Bewertungen. Durch die vielen positiven Bewertungen haben wir ein positives Image und können uns vom Wettbewerb absetzen.

Sehen sie das Esplanade als Persönlichkeit und wenn ja, finden Sie, dass diese Persönlichkeit auch im Netz widergespiegelt wird?

Das Esplanade hat durch seine 20-jährige Tradition auf jeden Fall ein sehr positives Image und das sowohl in Berlin als auch im Rest Deutschlands. Ich glaube, wir haben genau diese Individualität in der Internetwelt so positioniert. Es hat also eine Persönlichkeit, die sicherlich ausbaufähig ist.

Was kann man besser machen bzw. wo liegen ihre Sorgen wenn es um Social Media geht?

Wenn sie 365 Tage 100% Belegung haben, dann haben sie alles richtig gemacht. Wenn sie nur 80% Belegung haben, haben sie noch 20% Luft und diese 20% können sie verbessern.

Ellipse Lounge

Die Auslastungsquote erhöhen ist das Hauptziel?

Nein, Rentabilität ist das Ziel und diese ist abhängig vom Markt und ob die Stadt Potenzial hat und genügend Events bietet, damit die Hotellerie davon profitieren kann. Vor 10 Jahren gab es noch die typische Low and High Season. In den letzten Jahren gab es ganzjährig Events (WM etc.), die einen großen Zuwachs an Übernachtungsgästen und Zuwachs in der Hotelbranche brachte. Deshalb muss man sich vom Wettbewerb abheben. 2010 wiederum war zum Beispiel tot, 2011 etwas besser, 2012 wird es hoffentlich durch stattfindende Kongresse besser.

Gibt es etwas was die Stadt Berlin unternehmen könnte, um mehr Events und Veranstaltungen nach Berlin zu holen? Würden Sie sich das wünschen?

Die Stadt Berlin hat vieles gut gemacht aber auch vieles verschlafen – die Ausrichtung der Frauen WM zum Beispiel und auch, dass die Stadt zukünftig das Festival der Kulturen nicht mehr unterstützt und somit tausende Besucher und Gäste ausbleiben. Der Berliner Senat braucht ein anderes Denken, wenn es um Kultur und Events in Berlin geht.

Glauben Sie, dass es eine Wendung mit der neuen Senatswahl geben könnte?

Wenn die richtige Partei gewählt werden würde bzw. es eine Partei für Wirtschaftsunternehmen geben würde, ja. Aber so etwas gibt es in Berlin nicht.

Was würden Sie machen wenn Sie Bürgermeister wären und was würden Sie ändern?

Ich würde die Bezirksbürgermeister nach ihren Bedürfnissen befragen und mich um die Interessen der Einwohner kümmern. Im Moment wird immer nur diskutiert aber nicht produziert. Berlin ist innovativ, jung, kreativ und ein Ballungsraum. Diese Potenziale, auch die der Industriebereiche, werden nicht genutzt. Aufgrund dessen ziehen viele Veranstaltungen und Events auch in andere europäische Städte. Auch der Slogan 'arm aber sexy' verschreckt eher.

Piazza bei Nacht

In Berlin gibt es alles außer Geld?

Genau, wenn ich als Unternehmen Geld verdienen will, gehe ich nicht dahin, wo es kein Geld gibt.

Ein erfolgreiches Projekt ist momentan zum Beispiel „Berlin Greeter“, welches Besucher aus aller Welt und Einwohner vernetzt. Wo ist das Esplanade vernetzt bzw. engagiert oder ist das für das Hotel uninteressant?

Wir als Esplanade sind in verschiedenen Netzwerken tätig, zum Beispiel in politischen und wirtschaftlichen. Ich empfinde es als sehr wichtig, genauso wie auch unsere Charity Veranstaltungen, denn die meisten sozialen Projekte werden auch nicht vom Senat sondern von Wirtschaftsunternehmen verwirklicht.

Wissen Sie, dass es auch auf Facebook die Möglichkeit gibt, Charity Projekte zu verwirklichen und dadurch eine viel höhere Reichweite zu erzielen bzw. nutzen Sie Facebook für Ihre Charity-Projekte?

Um Spenden zu sammeln haben wir Facebook noch nicht genutzt.

Da kommen wir zurück auf die vorangestellte Frage. Gibt es Bereiche im Social Media, wo wir als Agentur beispielsweise Ihnen noch Neues aufzeigen können?

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob es etwas gibt, das wir nicht kennen...

Wahrscheinlich eine ganze Menge, da vor allem Social Media ein stetig wachsender und sich verändernder Bereich ist. Es geht natürlich auch um Investition und Gewinn. In dem Fall kann Gewinn auch als solcher definiert werden, wenn sein Berlin Wissen weiter gegeben wird und somit neue Blickwinkel/Perspektiven eröffnet werden können. Wie sind Sie zu Social Media gekommen? Wie und wann haben Sie es zum ersten Mal wahrgenommen?

Durch die erste Hoteleröffnung und dadurch, dass durch das Internet auch plötzlich nach spezifischen Hotels gesucht werden konnte. 2005 habe ich dann erstmalig einen E-Commerce Manager eingestellt um das Social Media voran zu treiben. Aber mit der Zeit ändert sich die Internetwelt eben auch immer wieder.

Pool Detail

Wo, denken Sie, werden die Veränderungen hinführen?

Sicherlich gibt es irgendwann nur noch ein Telefon oder ähnliches, das alle Features bereits inbegriffen hat. Apps werden veraltet sein.

Ist es für Sie denkbar, dass zum Beispiel per Mobiltelefon eingecheckt wird und dieses auch als Zimmerschlüssel dient?

Das ist ja nichts innovatives. In 5 Jahren sind sie ihr eigener Reservierungsmanager in der Hotellerie und können bestimmen, welches Zimmer wann und wie.

Meinen Sie nicht da geht etwas verloren?

Natürlich der menschliche Kontakt und die Personalisierung, aber es wird auch immer Hotels geben, die immer noch anbieten mit einer realen Person zu sprechen und bei dieser einzuchecken.

Was wird das Thema 2012 für Berlin sein bzw. was würden Sie sich wünschen?

Die Eröffnung des BBI wird das Hauptthema sein und wird viele weitere Diskussionen mit sich bringen. Ich wünsche mir für Berlin, dass von Slogans wie 'arm aber sexy' Abstand genommen wird und die destruktive Haltung in Berlin sich verabschiedet. Die Stadt sollte positiver positioniert werden und natürlich wünsche ich mir eine bessere Auslastung der Hotelbranche.


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